schwangerschaft-berechnen
Wichtiger Hinweis: Keine medizinische Beratung. Bei konkreten Fragen Frauenärztin/Frauenarzt oder Hebamme konsultieren. Notfälle: 112.
Jan-Tristan Rudat

Von Jan-Tristan Rudat  ·  Entwicklung und Konzeption

Überarbeitet: 15.10.2026 (Korrekturen)

Altes Anatomie-Buch mit Messing-Werkzeugen
Illustration: AKARA Solutions / Gemini-generiert
Berechnung

Naegele-Regel: So wird der Geburtstermin berechnet

7 Min. Lesezeit · überarbeitet Oktober 2026

Was ist die Naegele-Regel?

Die Naegele-Regel ist die gebräuchlichste Methode, den voraussichtlichen Geburtstermin zu schätzen. Benannt ist sie nach Franz Karl Naegele (1778–1851), der ab 1807 als Professor für Geburtshilfe in Heidelberg lehrte. Zurückgeführt wird sie auf seine 1812 in Mannheim erschienene Schrift „Erfahrungen und Abhandlungen aus dem Gebiethe der Krankheiten des weiblichen Geschlechtes“.

Die Grundannahme: Vom ersten Tag der letzten Periode bis zur Geburt vergehen im Mittel 280 Tage, also 40 Wochen. Bei einem 28-Tage-Zyklus liegt der Eisprung um den 14. Tag. Die ersten zwei der 40 Wochen liegen also vor der Befruchtung. Deshalb werden Schwangerschaftswochen ab der letzten Periode gezählt und nicht ab der Befruchtung.

Als Kopfrechnung lautet die Regel: erster Tag der letzten Periode plus 7 Tage, minus 3 Monate, plus 1 Jahr. Weil Monate unterschiedlich lang sind, entspricht das je nach Startdatum 280 bis 283 Tagen. Wer exakt rechnen will, addiert 280 Tage. So rechnen auch unser Rechner und die meisten anderen digitalen Rechner.

Die Formel Schritt für Schritt

Beispiel: Der erste Tag der letzten Periode war der 1. April 2026.

Schritt Was tun Beispiel
Schritt 1 Ersten Tag der letzten Periode notieren 01.04.2026
Schritt 2 7 Tage addieren 08.04.2026
Schritt 3 3 Monate abziehen 08.01.2026
Schritt 4 1 Jahr addieren 08.01.2027
Zum Vergleich Letzte Periode + 280 Tage (so rechnet unser Rechner) 06.01.2027

In diesem Beispiel liegt die Kopfrechnung zwei Tage hinter der Addition von 280 Tagen. Für die Praxis ist das unerheblich, weil die Ärztin oder der Arzt den Termin nach dem ersten Ultraschall ohnehin überprüft.

Naegele-Regel für verschiedene Zykluslängen

Bei kürzeren oder längeren Zyklen verschiebt sich der Eisprung und damit der Termin. Pro Tag Abweichung vom 28-Tage-Zyklus wird der Termin um einen Tag verschoben (erweiterte Naegele-Regel). Beispiel: letzte Periode am 01.01.2026.

Zykluslänge Korrektur Geburtstermin
21 Tage −7 Tage 01.10.2026
24 Tage −4 Tage 04.10.2026
28 Tage ±0 Tage 08.10.2026
30 Tage +2 Tage 10.10.2026
35 Tage +7 Tage 15.10.2026

Wann ist die Naegele-Regel ungenau?

Die Regel setzt einen regelmäßigen Zyklus und ein sicheres Datum der letzten Periode voraus. In diesen Fällen ist der erste Ultraschall die bessere Grundlage:

Situation Warum
Unregelmäßiger Zyklus Der Tag des Eisprungs lässt sich aus dem Periodendatum nicht ableiten
Datum der letzten Periode unsicher Jeder Tag Fehler beim Startdatum verschiebt den Termin um einen Tag
Kurz nach Absetzen hormoneller Verhütung oder in der Stillzeit Der Zyklus kann verändert sein
Nach künstlicher Befruchtung Hier rechnet man nicht ab der Periode, sondern ab Transfertag und Embryoalter

Die AWMF-Leitlinie 015-088 „Geburtseinleitung“ empfiehlt, den Termin nach der Periode mit der Messung der Scheitel-Steiß-Länge in der Frühschwangerschaft zu überprüfen. Weicht das Schwangerschaftsalter um mindestens sieben Tage ab, soll es korrigiert werden, außer der Befruchtungszeitpunkt steht sicher fest.

Wie oft trifft der Termin?

Selten auf den Tag. In einer australischen Auswertung von 18.708 Geburten mit spontanem Wehenbeginn kamen 5 Prozent der Kinder am errechneten Tag zur Welt, rund zwei Drittel innerhalb von sieben Tagen davor oder danach (Khambalia et al. 2013).

Naegele-Regel und andere Methoden

Methode Stärke Schwäche
Naegele-Regel Sofort anwendbar, ohne Gerät Setzt regelmäßigen Zyklus und sicheres Periodendatum voraus
Ultraschall in der Frühschwangerschaft Misst den Embryo direkt; Grundlage für eine Terminkorrektur Später in der Schwangerschaft für die Terminbestimmung weniger geeignet
Berechnung nach künstlicher Befruchtung Befruchtungszeitpunkt bekannt Nur nach reproduktionsmedizinischer Behandlung anwendbar

Eine Studie aus Norwegen mit 208 Einlingsschwangerschaften nach IVF fand im Mittel nur 0,9 Tage Unterschied zwischen dem Schwangerschaftsalter nach Befruchtungsdatum und nach Scheitel-Steiß-Länge (Tunón et al. 2000). Das spricht dafür, dass der frühe Ultraschall das Alter gut trifft.

Typische Fehler bei der Berechnung

Den falschen Periodentag verwenden

Entscheidend ist der erste Tag der letzten Blutung, nicht der letzte. Ein Fehler von zwei Tagen verschiebt den Termin um zwei Tage.

Die Zykluslänge nicht berücksichtigen

Bei einem 32-Tage-Zyklus liegt der Termin ohne Korrektur vier Tage zu früh. Unser Rechner fragt die Zykluslänge deshalb ab.

Nach künstlicher Befruchtung ab der Periode rechnen

Nach IVF oder ICSI zählt der Transfertag abzüglich Embryoalter (3 oder 5 Tage), dazu kommen 266 Tage.

Den Termin als festes Datum sehen

Als Termingeburt gilt jede Geburt von 37+0 bis 41+6. Ab 40+1 spricht man von Terminüberschreitung, ab 42+0 von Übertragung.

Zur Geschichte

Franz Karl Naegele wurde 1778 in Düsseldorf geboren und starb 1851 in Heidelberg, wo er 1807 außerordentlicher und 1810 ordentlicher Professor der Geburtshilfe wurde. Die nach ihm benannte Rechenregel wird auf seine Schrift von 1812 zurückgeführt.

Wie Naegele seine Regel gemeint hat, ist bis heute Gegenstand von Fachdiskussionen. Baskett und Nagele vertraten 2000 die Ansicht, die Regel sei falsch überliefert worden, wodurch der Termin heute einige Tage zu früh angesetzt werde. Loytved und Fleming widersprachen 2016: Naegeles Lehrbücher empfehlen eindeutig, vom ersten Tag der letzten Periode aus zu rechnen.

Seit der Einführung des Ultraschalls wird der rechnerische Termin in der Frühschwangerschaft überprüft. Die Naegele-Regel liefert den ersten Schätzwert, die Messung des Embryos bestätigt oder korrigiert ihn.

Häufige Fragen zur Naegele-Regel

Gilt die Naegele-Regel auch bei Zwillingen?

Der errechnete Termin wird bei Zwillingen genauso bestimmt wie bei einem Kind. Zwillinge kommen aber im Durchschnitt deutlich früher zur Welt als Einlinge. Wann und wie die Geburt geplant wird, entscheiden Ärztin oder Arzt und Klinik im Einzelfall, auch abhängig davon, ob sich die Kinder eine Plazenta teilen.

Für den Mutterschutz zählt auch bei Mehrlingen der errechnete Termin: Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen davor, nach der Geburt dauert sie zwölf statt acht Wochen.

Warum dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen, wenn die Befruchtung erst nach etwa zwei Wochen stattfindet?

Gezählt wird ab dem ersten Tag der letzten Periode, weil dieses Datum meist bekannt ist, der Tag des Eisprungs dagegen nicht.

Ab der Befruchtung gerechnet dauert eine Schwangerschaft im Mittel etwa 266 Tage, also 38 Wochen. Die zwei zusätzlichen Wochen entsprechen bei einem 28-Tage-Zyklus der Zeit vom Periodenbeginn bis zum Eisprung.

Kann ich die Naegele-Regel rückwärts rechnen?

Ja. Errechneter Geburtstermin minus 266 Tage ergibt den rechnerischen Tag der Befruchtung, errechneter Termin minus 280 Tage den rechnerischen ersten Tag der letzten Periode.

Weil der Eisprung schwankt und Spermien einige Tage überleben können, ist das nur eine Schätzung. Medizinisch hat die Rückrechnung keine Bedeutung.

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