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Jan-Tristan Rudat

Von Jan-Tristan Rudat  ·  Redakteur

Aktualisiert: Mai 2026

Vorsorge

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft: Alle Termine

8 Min. Lesezeit · Mai 2026

Warum sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig?

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft in der Fachsprache auch Mutterschaftsvorsorge genannt sind eines der wichtigsten Instrumente der modernen Geburtshilfe. Sie verfolgen ein klares Ziel: Risikoschwangerschaften frühzeitig zu erkennen und Mutter wie Kind bestmöglich zu schützen. Seit der Einführung der Mutterschaftsrichtlinien in Deutschland hat sich die perinatale Sterblichkeitsrate dramatisch reduziert. Was früher lebensbedrohliche Komplikationen waren, lassen sich heute durch regelmäßige Kontrollen rechtzeitig behandeln oder sogar vollständig verhindern.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in Deutschland alle Pflichtuntersuchungen vollständig, ohne Zuzahlung. Ein Anspruch auf mindestens zehn Vorsorgeuntersuchungen ist im Mutterschafts-Richtlinien-Katalog festgelegt von der Erstuntersuchung in der frühen Schwangerschaft bis zum letzten Termin kurz vor der Geburt. Jede dieser Untersuchungen hat einen spezifischen Zweck: Sie überprüfen die körperliche Entwicklung des Kindes, überwachen den Gesundheitszustand der Mutter und identifizieren mögliche Warnsignale wie Bluthochdruck, Gestationsdiabetes, Anämie oder Wachstumsverzögerungen beim Kind.

Neben den Pflichtuntersuchungen gibt es sogenannte IGeL-Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen), die von der Kasse nicht übernommen werden, aber wertvolle Zusatzinformationen liefern können. Dazu zählen etwa das Ersttrimester-Screening, der nichtinvasive Pränataltest (NIPT) oder der 3D-Ultraschall. Werdende Mütter sollten sich rechtzeitig über diese Optionen informieren, um gemeinsam mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das Wichtigste bleibt jedoch: Kein Termin ausfallen lassen jede Vorsorgeuntersuchung zählt.

Alle Pflichtuntersuchungen im Überblick

Untersuchung SSW Was wird geprüft Ergebnis Kassenleistung Hinweis
Erstuntersuchung SSW 6–10 Blutgruppe, Röteln, Blutbild, Urin, Blutdruck, Körpergewicht Mutterpass wird ausgestellt Ja Termin so früh wie möglich buchen
Ultraschall 1 (U1) SSW 9–12 Herzschlag, Lage, Anzahl der Embryonen, Größe Erster Ultraschall-Befund im Mutterpass Ja Geburtstermin wird bestätigt oder korrigiert
Ersttrimester-Screening SSW 11–14 Nackenfalten-Messung, Chromosomenanomalien-Risiko Risiko-Score für Trisomien Nein (IGeL) Ca. 150–300 € Eigenanteil
Blutdruck & Urin Regelmäßig Blutdruck, Eiweiß im Urin, Ödeme (Präeklampsie-Zeichen) Werte im Mutterpass eingetragen Ja Bei jedem Vorsorgetermin
Großer Ultraschall (U2) SSW 19–22 Fehlbildungsscreening, Organe, Lage der Plazenta, Fruchtwasser Detaillierter Befund, ggf. Geschlecht sichtbar Ja Wichtigster Ultraschall der Schwangerschaft
Glukose-Challenge-Test (GCT) SSW 24–28 Screening auf Gestationsdiabetes Blutzucker nach 50 g Glukose Ja Bei positivem Ergebnis: oGTT (75 g)
Ultraschall 3 (U3) SSW 29–32 Kindslage, Wachstum, Fruchtwassermenge, Plazenta Wachstumskurven werden bewertet Ja Letzter der drei Pflicht-Ultraschalle
CTG (Kardiotokografie) Ab SSW 32 Herzfrequenz des Kindes, Wehentätigkeit CTG-Streifen wird ausgewertet Ja (ab SSW 36 bei jedem Termin) Beruhigt viele werdende Mütter
B-Streptokokken-Test SSW 35–37 Abstrich auf Streptokokken Gruppe B im Vaginalbereich Positiv/Negativ Nein (IGeL, ca. 20–40 €) Bei positivem Befund: Antibiotika unter der Geburt
Abschlussuntersuchung Ab SSW 38 Kindslage, Beckengröße, Zervixreife, CTG, Blutdruck Geburtsplanung wird besprochen Ja Wöchentliche Termine bis zur Geburt

IGeL-Leistungen: Was zahle ich selbst?

Nicht alle sinnvollen Untersuchungen in der Schwangerschaft werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen bestimmte Tests selbst bezahlt werden. Die Kosten variieren je nach Praxis und Region erheblich. Folgende Leistungen sind besonders verbreitet:

Leistung Typische Kosten Für wen sinnvoll
Ersttrimester-Screening 150–300 € Alle Schwangeren, besonders ab 35 Jahren
NIPT (Bluttest / cfDNA) 300–400 € Ab 35 Jahren oder nach auffälligem Ersttrimester-Screening (dann Kassenleistung)
Fetal-Doppler-Ultraschall 50–100 € Bei Risikoschwangerschaft, Wachstumsverzögerung
3D/4D-Ultraschall 50–150 € Eltern, die ihr Kind plastisch sehen möchten (rein optional)
Toxoplasmose-Test 20–30 € Haustierbesitzerinnen (Katzen), Gartenarbeit

Mutterpass: Was steckt darin?

Bereich Was eingetragen wird
Personalien Name, Geburtsdatum, Adresse, Krankenkasse, behandelnde Ärztin/Arzt
Blutgruppe & Antikörper ABO-Blutgruppe, Rhesus-Faktor, Antikörpersuchtest, Röteln-Immunität
Ultraschall-Befunde Ergebnisse aller drei Pflicht-Ultraschalle inkl. Biometrie, Kindslage, Plazenta
Schwangerschaftsverlauf Blutdruck, Gewicht, Urinbefunde, Fundusstand, Kindsbewegungen, CTG-Ergebnisse
Geburtsdaten Geburtsdatum, Geburtsgewicht und -länge des Kindes, Geburtsverlauf, Apgar-Score

Der Mutterpass ist das zentrale Dokument jeder Schwangerschaft in Deutschland. Er wird bei der Erstuntersuchung von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt ausgestellt und begleitet die werdende Mutter durch die gesamte Schwangerschaft bis zur Geburt. Im Mutterpass werden alle Vorsorgebefunde lückenlos dokumentiert, sodass jede Ärztin, jeder Arzt und jede Hebamme auch im Notfall sofort einen vollständigen Überblick über den Schwangerschaftsverlauf hat.

Wer mehrere Ärzte oder eine Beleghebamme hat, kann sicherstellen, dass alle Beteiligten stets auf dem gleichen Stand sind. Ein verlorener Mutterpass kann in der Praxis meistens neu ausgestellt werden, allerdings fehlen dann ältere Einträge. Es empfiehlt sich daher, auch eine digitale Kopie (Foto oder Scan) der wichtigsten Seiten zu machen.

Tipp: Mutterpass immer dabei

Den Mutterpass sollten Sie ab SSW 28 immer griffbereit haben auch unterwegs. Im Notfall (z. B. plötzliche Wehen, Sturz, Unfall) können Sanitäter und Klinikpersonal sofort alle relevanten Schwangerschaftsdaten einsehen. Viele Schwangere bewahren den Mutterpass in ihrer Handtasche auf. Alternativ gibt es Apps, in die alle Daten digital übertragen werden können.

Mutterpass verstehen: Was bedeuten die Einträge?

Der Mutterpass enthält zahlreiche Abkürzungen und Messwerte, die auf den ersten Blick verwirrend wirken können. Die folgende Tabelle erklärt die häufigsten Kürzel und gibt an, welche Werte als normal gelten.

Kürzel Bedeutung Normal wenn ...
Hb Hämoglobin Maß für den Eisengehalt des Blutes; zeigt an, ob eine Anämie vorliegt ≥ 11,0 g/dl in der Schwangerschaft; unter 10,5 g/dl gilt als behandlungsbedürftige Anämie
RR Riva-Rocci veraltetes Kürzel für Blutdruck (systolisch/diastolisch), wird bei jedem Termin gemessen Unter 140/90 mmHg; Werte darüber sind ein Warnsignal für Gestationshypertonie oder Präeklampsie
FHF Fetale Herzfrequenz Herzschlagrate des Kindes, per Doppler oder CTG gemessen 110–160 Schläge/min; Werte dauerhaft darunter oder darüber erfordern weitere Abklärung
SF Symphysen-Fundus-Abstand Abstand vom oberen Rand der Schambeinfuge bis zum Gebärmutterboden; indirektes Maß für das Wachstum des Kindes Entspricht in cm etwa der SSW (z. B. SSW 28 ≈ 28 cm); Abweichungen von mehr als 3 cm werden per Ultraschall abgeklärt
KU Kopfumfang des Kindes im Ultraschall gemessen; wichtiger Parameter zur Beurteilung der Gehirnentwicklung Im altersgerechten Normbereich (Perzentilen 10–90); Mikrozephalie oder Makrozephalie erfordern weitere Diagnostik
BU / AU Bauchumfang (Abdomenumfang) des Kindes im Ultraschall zeigt Wachstum und Ernährungszustand; bei Gestationsdiabetes oft vergrößert Im altersgerechten Normbereich; überproportional großer Bauch kann auf Makrosomie (zu großes Kind) hindeuten

Ultraschall-Typen in der Schwangerschaft

Nicht jeder Ultraschall ist gleich. Je nach Fragestellung und Schwangerschaftswoche kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz mit sehr unterschiedlichem Informationsgehalt und unterschiedlicher Kostenregelung.

Ultraschall-Art Typische SSW Was sichtbar wird Kassenleistung
Vaginaler Ultraschall SSW 5–12 Fruchthöhle, früher Herzschlag, Lage der Schwangerschaft (Ausschluss Eileiterschwangerschaft) Ja (als Teil der Pflichtuntersuchungen)
Abdominaler Ultraschall Ab SSW 12 Kindsgröße, Organe, Plazenta, Fruchtwasser, Kindslage, Biometrie Ja (3 Pflicht-Ultraschalle)
Farbdoppler-Ultraschall Ab SSW 20, bei Bedarf früher Blutfluss in Nabelschnur, Herzgefäßen und Gehirn; Erkennung von Durchblutungsstörungen Ja, bei medizinischer Indikation (Risikoschwangerschaft)
3D/4D-Ultraschall SSW 24–32 (optimal) Dreidimensionale Darstellung des Gesichts und der Körperoberfläche; Bewegungen in Echtzeit (4D) Nein (IGeL, ca. 50–150 €)
DEGUM-II-Ultraschall SSW 19–22 Detailliertes Fehlbildungsscreening durch speziell zertifizierten Arzt; Herz, Nieren, Gehirn, Skelett präzise beurteilbar Teilweise (bei Risikoschwangerschaft); sonst IGeL ca. 100–200 €

Ersttrimester-Screening: Lohnt es sich?

Das Ersttrimester-Screening (ETS) ist eine der wichtigsten optionalen Untersuchungen in der Schwangerschaft. Es wird zwischen SSW 11 und 14 durchgeführt und kombiniert eine Ultraschallmessung (Nackentransparenz, NT) mit einem Bluttest (PAPP-A und freies ß-hCG), um das individuelle Risiko für Chromosomenbesonderheiten wie Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 18 und Trisomie 13 zu ermitteln. Das Ergebnis ist kein Ja oder Nein, sondern eine Wahrscheinlichkeit zum Beispiel „1 zu 500" bedeutet ein 0,2 %-Risiko. Ein erhöhtes Ergebnis ist kein Befund, sondern ein Hinweis für weitere Diagnostik. Als nicht-invasive Ergänzung steht der NIPT (Nicht-Invasiver Pränataltest) zur Verfügung: Er analysiert zellfreie fetale DNA aus dem mütterlichen Blut und erkennt Trisomie 21, 18 und 13 mit einer Genauigkeit von über 99 %. Der NIPT kostet als Selbstzahlerleistung 300–400 €, wird aber bei erhöhtem Risiko (auffälliges ETS, Alter über 35 Jahre, vorherige Trisomie-Schwangerschaft) von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Beide Tests sind nicht invasiv und Bergen kein Fehlgeburtsrisiko. Wer nach einem auffälligen Befund Gewissheit möchte, kann eine Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) oder Chorionzottenbiopsie durchführen lassen diese sind invasiv, aber diagnostisch eindeutig. Die Entscheidung für oder gegen das Screening ist sehr persönlich und sollte ohne Druck getroffen werden. Viele Paare schätzen die Beruhigung durch ein unauffälliges Ergebnis, andere entscheiden sich bewusst gegen vorgeburtliche Diagnostik. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre persönliche Situation und Ihre Wünsche.

Häufige Fragen zu Vorsorgeuntersuchungen

+ Was passiert, wenn ich eine Vorsorgeuntersuchung verpasse?

Grundsätzlich sollten Sie keine Vorsorgeuntersuchungen ausfallen lassen sie sind aus gutem Grund im Mutterschaftsrichtlinien-Katalog verankert. Wenn ein Termin unvermeidlich verpasst wurde, holen Sie ihn so schnell wie möglich nach und informieren Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt. Die meisten Untersuchungen können auch etwas später durchgeführt werden, verlieren dabei aber eventuell an diagnostischer Aussagekraft. Besonders zeitkritisch sind das Ersttrimester-Screening (nur bis SSW 14+0 aussagekräftig) und der Glukosetoleranztest (sollte bis SSW 28 erfolgen). Der große Ultraschall (SSW 19–22) lässt sich bis etwa SSW 24 nachholen. Wenn Sie aus beruflichen oder privaten Gründen Schwierigkeiten haben, Termine einzuhalten, sprechen Sie offen mit Ihrer Praxis oft gibt es flexible Terminlösungen. Kassen sind verpflichtet, alle Pflichtleistungen zu erstatten, unabhängig davon, ob ein Termin minimal verzögert wurde.

+ Welche Vorsorgeuntersuchungen übernimmt die Krankenkasse nicht?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen alle in den Mutterschaftsrichtlinien festgelegten Pflichtleistungen vollständig. Nicht übernommen werden hingegen sogenannte IGeL-Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen), die über den Pflichtstandard hinausgehen. Dazu zählen das Ersttrimester-Screening (ca. 150–300 €), der NIPT außer bei medizinischer Indikation (ca. 300–400 €), der 3D/4D-Ultraschall (ca. 50–150 €), der Toxoplasmose-Test ohne Risikofaktor (ca. 20–30 €), der B-Streptokokken-Abstrich (ca. 20–40 €) sowie die erweiterte Fehlbildungsdiagnostik durch DEGUM-II-Zentren ohne Indikation. Einige Krankenkassen erstatten Teile dieser Leistungen freiwillig es lohnt sich, bei Ihrer Kasse nachzufragen. Außerdem können IGeL-Kosten je nach Praxis erheblich variieren: Holen Sie vor teuren Untersuchungen mehrere Angebote ein oder fragen Sie nach einem Kostenvoranschlag.

+ Kann ich meine Vorsorgeuntersuchungen auch bei einer Hebamme durchführen lassen?

Ja, Hebammen dürfen einen Großteil der Schwangerschaftsvorsorge eigenverantwortlich übernehmen darunter Blutdruckmessung, Urinuntersuchung, Messung des Fundusabstands, Hören der Herzschlagfrequenz per Doppler und allgemeine Beratung. Die Abrechnung erfolgt über die Krankenkasse, ein Arzt ist dafür nicht erforderlich. Ultraschalluntersuchungen und Blutentnahmen sind jedoch dem Arzt vorbehalten und können von Hebammen nicht durchgeführt werden. Viele werdende Mütter wählen ein Modell, bei dem die Routinekontrollen abwechselnd bei Hebamme und Frauenarzt stattfinden das spart Zeit und schafft eine engere Beziehung zur Betreuungsperson. Beleghebammen, die auch bei der Geburt dabei sind, werden oft früh gebucht, da die Kapazitäten begrenzt sind. Wenn Sie eine Hebamme für die Vorsorge wünschen, beginnen Sie die Suche bereits im ersten Trimester spätestens jedoch bis SSW 16.

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