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Mateusz Viola

Von Mateusz Viola  ·  Betreiber & redaktionelle Verantwortung

Aktualisiert: Mai 2026

Geburtstermin

Geburtstermin berechnen: Naegele-Regel und alle Methoden

8 Min. Lesezeit · Mai 2026

Die Naegele-Regel: Berechnung seit 1830

Die Naegele-Regel ist die Grundlage praktisch aller Schwangerschaftsrechner digital und auf Papier. Die Formel ist denkbar simpel: Erster Tag der letzten Menstruation + 280 Tage = errechneter Geburtstermin. In der klassischen Kurzversion: LMP + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr. Das klingt nach einer Eselsbrücke aus dem 19. Jahrhundert und ist es auch. Franz Karl Naegele beschrieb sie 1830 in Heidelberg, und sie funktioniert noch heute, weil Schwangerschaften durchschnittlich 280 Tage dauern.

Diese Formel setzt einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen und einen Eisprung am 14. Zyklustag voraus. (Die vollständige Geschichte und alle Sonderfälle der Naegele-Regel finden Sie in unserem Detailartikel zur Naegele-Regel.) Bei längeren oder kürzeren Zyklen wird der Termin entsprechend angepasst: Bei einem 35-Tage-Zyklus verschiebt sich der ET um sieben Tage nach hinten, bei einem 21-Tage-Zyklus um sieben Tage nach vorne. Obwohl die Formel fast 200 Jahre alt ist, bildet sie noch heute die Grundlage aller digitalen Schwangerschaftsrechner und Mutterpass-Einträge.

Naegele-Regel: Rechenbeispiele

Letzter Periodentag Zykluslänge Errechneter Geburtstermin
01.01.2026 28 Tage 08.10.2026
15.03.2026 28 Tage 20.12.2026
01.06.2026 28 Tage 08.03.2027
01.01.2026 35 Tage 15.10.2026 (+7 Tage)
01.01.2026 21 Tage 01.10.2026 (−7 Tage)

Warum trifft der Termin nur selten genau?

Der errechnete Termin ist ein statistischer Mittelwert, kein verlässliches Datum. Tatsächlich kommen lediglich etwa 4 % aller Babys genau am errechneten Termin zur Welt. Der Großteil der Geburten findet in einem Fenster von zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach dem ET statt also zwischen SSW 38 und SSW 42. Eine Geburt gilt medizinisch als termingerecht, wenn sie zwischen SSW 37+0 und SSW 41+6 stattfindet.

Hinter dieser Streuung steckt Biologie, keine schlechte Mathematik. Die genaue Länge einer Schwangerschaft variiert von Frau zu Frau natürlich ähnlich wie Körpergröße oder Blutdruck. Hinzu kommt: Der Eisprung findet nicht bei allen Frauen exakt am 14. Zyklustag statt, und der genaue Befruchtungszeitpunkt ist selten bekannt. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle Jungen kommen statistisch etwas später zur Welt als Mädchen, Erstgeborene tendenziell später als Geschwisterkinder.

Genauigkeit der Berechnungsmethoden

Methode Typische Abweichung Empfehlung
Naegele-Regel (LMP) ± 7–14 Tage Erster Anhaltspunkt
Ultraschall SSW 7–12 ± 3–5 Tage Genaueste Methode frühzeitig
Ultraschall SSW 13–20 ± 7 Tage Für Bestätigung
IVF-Berechnung ± 1–2 Tage Bei bekanntem Transfer
Kindsbewegungen (subjektiv) ± 14 Tage Nicht für Berechnung geeignet

Wann weicht der tatsächliche Termin ab?

Der errechnete Termin ist besonders ungenau bei unregelmäßigem Zyklus (kürzer als 21 oder länger als 35 Tage), nach Einnahme hormoneller Verhütungsmittel kurz vor der Konzeption, bei PCOS oder anderen hormonellen Störungen sowie wenn das Datum der letzten Periode unsicher ist. In diesen Fällen ist der Ultraschall im ersten Trimester die verlässlichste Methode er kann den errechneten Termin um Tage oder sogar Wochen korrigieren.

Geburtstermin bei IVF berechnen

Bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder einem Embryonentransfer ist die Berechnung des Geburtstermins besonders präzise möglich, da der genaue Zeitpunkt des Transfers und das Alter des Embryos bekannt sind. Die Grundlage der Berechnung: Vom Transfer-Datum wird das Embryo-Alter subtrahiert, um das fiktive Befruchtungsdatum zu ermitteln. Von dort werden dann 266 Tage (38 Wochen) addiert, was dem biologischen Reifezeitraum entspricht.

Entscheidend ist das Entwicklungsstadium des übertragenen Embryos: Ein 3-Tage-Embryo (Klivierungsstadium) war zum Transfer-Zeitpunkt bereits 3 Tage alt der Befruchtungszeitpunkt lag also 3 Tage früher. Ein 5-Tage-Embryo (Blastozystenstadium) war bei Einfrieren oder Transfer 5 Tage alt. Diese Differenz wirkt sich direkt auf den berechneten Geburtstermin aus und sollte immer mit der behandelnden reproduktionsmedizinischen Klinik abgeglichen werden.

IVF-Geburtstermin: Rechenbeispiele

Transfer-Datum Embryo-Alter Berechnetes Zeugungsdatum Geburtstermin
20.01.2026 5 Tage 01.01.2026 24.09.2026
20.01.2026 3 Tage 03.01.2026 26.09.2026
15.03.2026 5 Tage 25.02.2026 18.11.2026

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Was tun, wenn der Geburtstermin und der Ultraschall-Termin abweichen?

Es ist ausgesprochen häufig, dass der nach der Naegele-Regel berechnete Geburtstermin und der beim ersten Ultraschall ermittelte Termin voneinander abweichen. Differenzen von drei bis sieben Tagen sind dabei völlig normal und geben keinen Anlass zur Sorge. Solche Abweichungen entstehen, weil die Naegele-Regel von einem exakt 28-tägigen Zyklus und einem Eisprung am 14. Tag ausgeht beides biologische Idealwerte, die in der Wirklichkeit nur selten exakt zutreffen. Auch wenn eine Frau ihren Zyklus als regelmäßig einschätzt, schwankt der tatsächliche Eisprungzeitpunkt von Monat zu Monat um einige Tage.

Liegt die Abweichung zwischen Naegele-Termin und Ultraschall-Termin bei mehr als sieben Tagen im ersten Trimester oder mehr als zehn Tagen im zweiten Trimester, empfehlen die medizinischen Leitlinien in Deutschland, den Ultraschall-Termin als maßgeblich zu betrachten und den Mutterpass entsprechend zu korrigieren. Der Grund: Die Messung des Embryos (Scheitel-Steiß-Länge, SSL) in der Frühschwangerschaft ist biologisch sehr zuverlässig, weil das Wachstum in dieser Phase bei allen Föten nahezu identisch verläuft und kaum von genetischen oder Ernährungsfaktoren beeinflusst wird. Ab dem zweiten Trimester hingegen nehmen individuelle Wachstumsunterschiede zu, weshalb spätere Ultraschallmessungen den Termin weniger zuverlässig korrigieren können. Im Zweifelsfall besprechen Sie jede Abweichung offen mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen ein angepasster Termin hat direkte Auswirkungen auf den Beginn des Mutterschutzes und auf medizinische Entscheidungen gegen Ende der Schwangerschaft.

Wann wird der Termin offiziell angepasst?

Laut den deutschen Mutterschaftsrichtlinien gilt: Weicht der per Ultraschall gemessene Termin (SSW 9–12) um mehr als 7 Tage vom berechneten Termin nach Naegele ab, wird der Ultraschall-Termin in den Mutterpass eingetragen und ist fortan der offizielle Geburtstermin. Dieser angepasste Termin bildet dann die Grundlage für die Berechnung von Mutterschutzbeginn, Mutterschaftsgeld und allen weiteren fristen­abhängigen Leistungen. Ein einmal per Ultraschall korrigierter Termin wird in der Regel nicht noch einmal verändert spätere Messungen können abweichen, ohne dass das automatisch eine erneute Korrektur auslöst.

Geburtstermin international: Wie andere Länder rechnen

Die Naegele-Regel ist weltweit verbreitet, wird aber in verschiedenen Ländern unterschiedlich angewendet und ergänzt. Während Deutschland strikt an 40 Schwangerschaftswochen festhält, gibt es internationale Unterschiede bei der Standardlänge der Schwangerschaft, beim Einsatz von Ultraschall und bei der klinischen Definition von Übertragung.

Land System Besonderheit
Deutschland Naegele-Regel, 40 SSW Ultraschall SSW 9–12 korrigiert bei >7 Tagen Abweichung; Einleitungsgrenze SSW 41+3 bis 42+0
USA Naegele-Regel, 40 Wochen ACOG-Leitlinien bevorzugen Ultraschall im 1. Trimester als primäre Terminquelle; Einleitung meist ab 41+0
Frankreich Naegele-Regel, 41 Wochen Standard Offizielle Terminologie rechnet mit 41 statt 40 Wochen; Einleitung wird erst ab 41+6 empfohlen
Japan Naegele + Ultraschall kombiniert Ultraschall wird sehr früh (SSW 6–8) durchgeführt und hat großes Gewicht; häufige Kontrollen Standard
Schweden Ultraschall bevorzugt Routinemäßiger Ultraschall SSW 17–18 ist der offizielle Termin; LMP-Berechnung nur als Backup

Häufige Fragen zum Geburtstermin

Kann ich den Geburtstermin selbst berechnen, ohne Arzt?+

Ja, die Naegele-Regel können Sie problemlos selbst anwenden Sie brauchen dafür nur das Datum des ersten Tages Ihrer letzten Menstruation. Die Formel lautet: LMP + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr. Alternativ addieren Sie schlicht 280 Tage zum LMP. Online-Rechner wie unser Schwangerschaftsrechner nehmen Ihnen diese Rechenarbeit ab und berücksichtigen automatisch Ihre individuelle Zykluslänge.

Der selbst berechnete Termin ist ein guter Ausgangspunkt, aber kein medizinisch verbindliches Datum. Für den Mutterpass und alle rechtlich relevanten Fristen etwa Mutterschutzbeginn oder Mutterschaftsgeld gilt ausschließlich der vom Arzt bestätigte und gegebenenfalls per Ultraschall korrigierte Termin. Lassen Sie den Termin daher immer von Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen bestätigen.

Was passiert, wenn das Baby nach dem errechneten Termin kommt?+

Eine Geburt nach dem errechneten Termin ist zunächst kein medizinisches Problem. Medizinisch gilt eine Schwangerschaft bis SSW 41+6 als termingerecht. Erst ab SSW 42+0 spricht man von einer echten Übertragung, die mit erhöhten Risiken für das Ungeborene verbunden sein kann, da die Funktion der Plazenta nachlassen kann.

In der Praxis empfehlen die deutschen Leitlinien ab SSW 41+0 engmaschigere Kontrollen (CTG, Fruchtwassermenge, Doppler-Ultraschall), um die Versorgung des Kindes zu überwachen. Ab SSW 41+3 bis 42+0 wird je nach Befund und Krankenhausprotokoll eine Geburtseinleitung empfohlen. Ihr Geburtshelferteam wird Sie rechtzeitig über die nächsten Schritte informieren lassen Sie sich von einem etwas späteren Geburtstermin nicht verunsichern.

Wie genau ist der errechnete Geburtstermin wirklich?+

Statistisch betrachtet kommen nur rund 4 % aller Babys exakt am errechneten Termin zur Welt. Die Mehrzahl der Geburten findet in einem Fenster von zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach dem ET statt. Das bedeutet: Der errechnete Termin ist ein statistischer Mittelwert und kein verlässliches Datum, sondern eher eine Orientierungshilfe für Planungen und medizinische Entscheidungen.

Die genaueste Methode zur Terminbestimmung ist der Ultraschall zwischen SSW 9 und SSW 12, bei dem die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos gemessen wird. Diese Methode hat eine Genauigkeit von plus/minus drei bis fünf Tagen. Je früher der Ultraschall durchgeführt wird, desto präziser ist die Terminbestimmung denn im ersten Trimester wächst jeder Embryo in nahezu identischem Tempo.

Ändert sich der Geburtstermin, wenn das Baby beim Ultraschall kleiner ist als erwartet?+

Im ersten Trimester ja, in der Regel. Wenn die Ultraschall-Messung (SSL) ergibt, dass das Baby mehr als sieben Tage kleiner ist als die LMP-basierte Berechnung erwarten lässt, wird der Geburtstermin in den meisten Fällen nach hinten korrigiert. Das bedeutet nicht, dass das Baby zu klein ist es bedeutet, dass die Befruchtung wahrscheinlich später stattfand als angenommen.

Im zweiten und dritten Trimester ist es anders: Dann spiegeln Größenabweichungen oft individuelle Wachstumsunterschiede wider und führen nicht automatisch zu einer Terminkorrektur. Wenn das Baby im dritten Trimester deutlich kleiner als die Norm ist, untersucht das Geburtshelferteam die Ursache das kann genetische, nutritive oder plazentare Gründe haben verändert aber nicht mehr den offiziellen Geburtstermin.

Fazit: Den Geburtstermin realistisch einordnen

Der errechnete Geburtstermin ist ein statistischer Mittelwert kein Versprechen. Von den Geburten, die nach einer unproblematischen Schwangerschaft stattfinden, erfolgen etwa 80 Prozent innerhalb von zwei Wochen vor oder nach dem ET. Nur rund 4 Prozent der Babys werden exakt am errechneten Tag geboren. Diese Streuung ist biologisch normal und kein Zeichen für einen Fehler in der Berechnung.

Die wichtigste Quelle für den Geburtstermin bleibt der Frauenarzt. Per Ultraschall in der Frühschwangerschaft idealerweise zwischen SSW 7 und 12 lässt sich der Termin anhand der Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos deutlich genauer bestimmen als durch jede Berechnung. Wenn Naegele-Termin und Ultraschall-Termin mehr als sieben Tage voneinander abweichen, wird in der Regel der Ultraschall-Termin als offizieller Geburtstermin festgelegt.

Quellen & Grundlagen

Weitere Ratgeber

SSW berechnen → Mutterschutz berechnen →