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Wichtiger Hinweis: Keine medizinische Beratung. Bei konkreten Fragen Frauenärztin/Frauenarzt oder Hebamme konsultieren. Notfälle: 112.
Mateusz Viola

Von Mateusz Viola  ·  Entwicklung und Konzeption

Überarbeitet: 15.10.2026 (Korrekturen)

Kalender mit Datums-Marker, Schreibwerkzeug daneben
Illustration: AKARA Solutions / Gemini-generiert
Geburtstermin

Geburtstermin berechnen: Naegele-Regel und alle Methoden

8 Min. Lesezeit · überarbeitet Oktober 2026

Die Naegele-Regel

Fast alle Schwangerschaftsrechner beruhen auf derselben Annahme: Vom ersten Tag der letzten Periode (LMP) bis zur Geburt vergehen im Mittel 280 Tage, also 40 Wochen. Die Regel ist nach dem Heidelberger Geburtshelfer Franz Karl Naegele (1778–1851) benannt und wird auf seine Schrift von 1812 zurückgeführt. Als Kopfrechnung lautet sie: erster Tag der letzten Periode plus 7 Tage, minus 3 Monate, plus 1 Jahr. Weil Monate unterschiedlich lang sind, landet diese Kopfrechnung je nach Monaten bei 280 bis 283 Tagen. Unser Rechner addiert die Tage.

Die Formel setzt einen Zyklus von 28 Tagen mit Eisprung um den 14. Tag voraus. Bei längeren oder kürzeren Zyklen wird der Termin um die Differenz verschoben: bei 35 Tagen sieben Tage später, bei 21 Tagen sieben Tage früher. Mehr dazu im Artikel zur Naegele-Regel.

Rechenbeispiele

Erster Tag der letzten Periode Zykluslänge Errechneter Geburtstermin
01.01.2026 28 Tage 08.10.2026
15.03.2026 28 Tage 20.12.2026
01.06.2026 28 Tage 08.03.2027
01.01.2026 35 Tage 15.10.2026 (+7 Tage)
01.01.2026 21 Tage 01.10.2026 (−7 Tage)

Warum der Termin selten genau trifft

Der errechnete Termin ist ein statistischer Mittelwert. In einer Auswertung von 18.708 Geburten mit spontanem Wehenbeginn in Australien kamen 5 Prozent der Kinder genau am errechneten Tag zur Welt, rund zwei Drittel innerhalb von sieben Tagen davor oder danach (Khambalia et al., Int J Gynaecol Obstet 2013). Als Termingeburt gilt eine Geburt zwischen 37+0 und 41+6.

Die Streuung hat biologische Gründe. Die Länge einer Schwangerschaft schwankt von Frau zu Frau, der Eisprung liegt nicht immer am 14. Zyklustag, und der genaue Zeitpunkt der Befruchtung ist meist unbekannt.

Welche Methode wann?

Methode Grundlage Einordnung
Letzte Periode (Naegele) Erster Tag der letzten Periode, Zykluslänge Erster Anhaltspunkt; unsicher bei unregelmäßigem Zyklus oder unklarem Datum
Ultraschall in der Frühschwangerschaft Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos Gilt als verlässlichste Methode; das erste Basis-Ultraschall-Screening liegt bei 8+0 bis 11+6
Spätere Ultraschallmessungen Kopf-, Bauch- und Oberschenkelmaße Für die Terminbestimmung ungenauer, weil das Wachstum individueller wird
Künstliche Befruchtung (IVF/ICSI) Transfertag und Alter des Embryos Befruchtungszeitpunkt bekannt; nach der Leitlinie wird der Termin dann nicht nach Ultraschall korrigiert

Wann ist der Termin nach der Periode besonders unsicher?

Bei unregelmäßigem Zyklus, wenn das Datum der letzten Periode unsicher ist, wenn die Schwangerschaft kurz nach dem Absetzen hormoneller Verhütung entstand, und bei Zyklusstörungen. In diesen Fällen ist die Messung im ersten Ultraschall die bessere Grundlage.

Geburtstermin bei IVF berechnen

Nach einer künstlichen Befruchtung sind der Tag des Embryotransfers und das Alter des Embryos bekannt. Daraus lässt sich der Befruchtungstag bestimmen: Transfertag minus Embryoalter. Zu diesem Tag kommen 266 Tage (38 Wochen) hinzu. Rechnerisch ist das der Transfertag plus 263 Tage bei einem 3-Tage-Embryo und plus 261 Tage bei einem 5-Tage-Embryo (Blastozyste).

Bei einem Transfer nach dem Auftauen gilt das Alter, das der Embryo beim Einfrieren hatte. Den genauen Termin bestätigt die Kinderwunschpraxis.

IVF-Geburtstermin: Rechenbeispiele

Transfertag Embryoalter Befruchtung (Transfer − Embryoalter) Geburtstermin (+ 266 Tage)
20.01.2026 5 Tage 15.01.2026 08.10.2026
20.01.2026 3 Tage 17.01.2026 10.10.2026
15.03.2026 5 Tage 10.03.2026 01.12.2026

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Wenn Rechnung und Ultraschall abweichen

Dass der Termin nach der letzten Periode und der Termin nach dem ersten Ultraschall voneinander abweichen, ist häufig. Der Eisprung schwankt auch bei regelmäßigem Zyklus um einige Tage. Die AWMF-Leitlinie 015-088 „Geburtseinleitung“ empfiehlt, den Termin nach der Periode mit der Messung der Scheitel-Steiß-Länge in der Frühschwangerschaft zu überprüfen. Weicht das Schwangerschaftsalter um mindestens sieben Tage ab, soll es korrigiert werden, außer der Befruchtungszeitpunkt steht sicher fest.

Die US-amerikanische Fachgesellschaft ACOG staffelt ihre Schwellen nach dem Zeitpunkt der Messung: bis 8+6 mehr als 5 Tage, von 9+0 bis 13+6 mehr als 7 Tage, danach größere Abweichungen (Committee Opinion 700, 2017). Ein korrigierter Termin ist Grundlage für alle weiteren Fristen, auch für den Mutterschutz. Spätere Messungen führen in der Regel nicht zu einer erneuten Korrektur.

Häufige Fragen zum Geburtstermin

Kann ich den Geburtstermin selbst berechnen, ohne Arzt?

Ja. Zählen Sie zum ersten Tag Ihrer letzten Periode 280 Tage hinzu. Bei einem Zyklus, der länger oder kürzer als 28 Tage ist, verschieben Sie das Ergebnis um die Differenz. Die Kopfrechnung nach Naegele (plus 7 Tage, minus 3 Monate, plus 1 Jahr) liefert je nach Monatslängen dasselbe Datum oder ein bis drei Tage später als die Addition von 280 Tagen.

Der selbst berechnete Termin ist ein Ausgangspunkt. Für den Mutterpass und für Fristen wie den Mutterschutz gilt der Termin, den Ihre Frauenarztpraxis nach dem ersten Ultraschall festlegt.

Was passiert, wenn das Baby nach dem errechneten Termin kommt?

Eine Geburt bis 41+6 gilt als Termingeburt. Ab 40+1 spricht man von Terminüberschreitung, ab 42+0 von Übertragung. Mit zunehmender Schwangerschaftsdauer steigt das insgesamt niedrige Risiko für das Kind langsam an.

Die AWMF-Leitlinie 015-088 zur Geburtseinleitung staffelt die Empfehlung: Ab 41+0 kann eine Einleitung angeboten werden, ab 41+3 sollte sie empfohlen werden, ab 42+0 soll sie dringend empfohlen werden. Wie engmaschig Sie bis dahin kontrolliert werden, legen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt und die Klinik fest.

Wie genau ist der errechnete Geburtstermin?

In einer australischen Auswertung von 18.708 Geburten mit spontanem Wehenbeginn kamen nur 5 Prozent der Kinder am errechneten Tag zur Welt, rund zwei Drittel innerhalb von sieben Tagen davor oder danach (Khambalia et al. 2013). Das galt unabhängig davon, ob der Termin nach der Periode oder per Ultraschall bestimmt worden war.

Der errechnete Termin ist deshalb vor allem ein Bezugspunkt: Nach ihm richten sich die Schwangerschaftswochen, die Vorsorgetermine und die Mutterschutzfristen.

Ändert sich der Geburtstermin, wenn das Baby beim Ultraschall kleiner ist als erwartet?

In der Frühschwangerschaft oft ja. Weicht das aus der Scheitel-Steiß-Länge bestimmte Schwangerschaftsalter um mindestens sieben Tage vom Alter nach der letzten Periode ab, soll es nach der AWMF-Leitlinie 015-088 korrigiert werden, außer der Befruchtungszeitpunkt steht sicher fest, etwa nach künstlicher Befruchtung. Ein kleineres Maß heißt dann meist, dass der Eisprung später war als angenommen.

Später in der Schwangerschaft spiegeln Größenunterschiede eher individuelles Wachstum wider. Ein früh festgelegter Termin wird deshalb in der Regel nicht mehr verschoben. Auffälliges Wachstum wird ärztlich abgeklärt.

Fazit

Die Naegele-Regel liefert einen guten ersten Termin, der Ultraschall in der Frühschwangerschaft macht ihn verlässlicher. Rechnen Sie trotzdem nicht mit einem bestimmten Tag: Nur jedes zwanzigste Kind kommt genau am errechneten Termin.

Quellen & Grundlagen

Weitere Ratgeber

SSW berechnen → Mutterschutz berechnen → Schwangerschaftskalender →
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