Die Naegele-Regel
Fast alle Schwangerschaftsrechner beruhen auf derselben Annahme: Vom ersten Tag der letzten Periode (LMP) bis zur Geburt vergehen im Mittel 280 Tage, also 40 Wochen. Die Regel ist nach dem Heidelberger Geburtshelfer Franz Karl Naegele (1778–1851) benannt und wird auf seine Schrift von 1812 zurückgeführt. Als Kopfrechnung lautet sie: erster Tag der letzten Periode plus 7 Tage, minus 3 Monate, plus 1 Jahr. Weil Monate unterschiedlich lang sind, landet diese Kopfrechnung je nach Monaten bei 280 bis 283 Tagen. Unser Rechner addiert die Tage.
Die Formel setzt einen Zyklus von 28 Tagen mit Eisprung um den 14. Tag voraus. Bei längeren oder kürzeren Zyklen wird der Termin um die Differenz verschoben: bei 35 Tagen sieben Tage später, bei 21 Tagen sieben Tage früher. Mehr dazu im Artikel zur Naegele-Regel.
Rechenbeispiele
| Erster Tag der letzten Periode | Zykluslänge | Errechneter Geburtstermin |
|---|---|---|
| 01.01.2026 | 28 Tage | 08.10.2026 |
| 15.03.2026 | 28 Tage | 20.12.2026 |
| 01.06.2026 | 28 Tage | 08.03.2027 |
| 01.01.2026 | 35 Tage | 15.10.2026 (+7 Tage) |
| 01.01.2026 | 21 Tage | 01.10.2026 (−7 Tage) |
Warum der Termin selten genau trifft
Der errechnete Termin ist ein statistischer Mittelwert. In einer Auswertung von 18.708 Geburten mit spontanem Wehenbeginn in Australien kamen 5 Prozent der Kinder genau am errechneten Tag zur Welt, rund zwei Drittel innerhalb von sieben Tagen davor oder danach (Khambalia et al., Int J Gynaecol Obstet 2013). Als Termingeburt gilt eine Geburt zwischen 37+0 und 41+6.
Die Streuung hat biologische Gründe. Die Länge einer Schwangerschaft schwankt von Frau zu Frau, der Eisprung liegt nicht immer am 14. Zyklustag, und der genaue Zeitpunkt der Befruchtung ist meist unbekannt.
Welche Methode wann?
| Methode | Grundlage | Einordnung |
|---|---|---|
| Letzte Periode (Naegele) | Erster Tag der letzten Periode, Zykluslänge | Erster Anhaltspunkt; unsicher bei unregelmäßigem Zyklus oder unklarem Datum |
| Ultraschall in der Frühschwangerschaft | Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos | Gilt als verlässlichste Methode; das erste Basis-Ultraschall-Screening liegt bei 8+0 bis 11+6 |
| Spätere Ultraschallmessungen | Kopf-, Bauch- und Oberschenkelmaße | Für die Terminbestimmung ungenauer, weil das Wachstum individueller wird |
| Künstliche Befruchtung (IVF/ICSI) | Transfertag und Alter des Embryos | Befruchtungszeitpunkt bekannt; nach der Leitlinie wird der Termin dann nicht nach Ultraschall korrigiert |
Wann ist der Termin nach der Periode besonders unsicher?
Bei unregelmäßigem Zyklus, wenn das Datum der letzten Periode unsicher ist, wenn die Schwangerschaft kurz nach dem Absetzen hormoneller Verhütung entstand, und bei Zyklusstörungen. In diesen Fällen ist die Messung im ersten Ultraschall die bessere Grundlage.
Geburtstermin bei IVF berechnen
Nach einer künstlichen Befruchtung sind der Tag des Embryotransfers und das Alter des Embryos bekannt. Daraus lässt sich der Befruchtungstag bestimmen: Transfertag minus Embryoalter. Zu diesem Tag kommen 266 Tage (38 Wochen) hinzu. Rechnerisch ist das der Transfertag plus 263 Tage bei einem 3-Tage-Embryo und plus 261 Tage bei einem 5-Tage-Embryo (Blastozyste).
Bei einem Transfer nach dem Auftauen gilt das Alter, das der Embryo beim Einfrieren hatte. Den genauen Termin bestätigt die Kinderwunschpraxis.
IVF-Geburtstermin: Rechenbeispiele
| Transfertag | Embryoalter | Befruchtung (Transfer − Embryoalter) | Geburtstermin (+ 266 Tage) |
|---|---|---|---|
| 20.01.2026 | 5 Tage | 15.01.2026 | 08.10.2026 |
| 20.01.2026 | 3 Tage | 17.01.2026 | 10.10.2026 |
| 15.03.2026 | 5 Tage | 10.03.2026 | 01.12.2026 |
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Zum Rechner →Wenn Rechnung und Ultraschall abweichen
Dass der Termin nach der letzten Periode und der Termin nach dem ersten Ultraschall voneinander abweichen, ist häufig. Der Eisprung schwankt auch bei regelmäßigem Zyklus um einige Tage. Die AWMF-Leitlinie 015-088 „Geburtseinleitung“ empfiehlt, den Termin nach der Periode mit der Messung der Scheitel-Steiß-Länge in der Frühschwangerschaft zu überprüfen. Weicht das Schwangerschaftsalter um mindestens sieben Tage ab, soll es korrigiert werden, außer der Befruchtungszeitpunkt steht sicher fest.
Die US-amerikanische Fachgesellschaft ACOG staffelt ihre Schwellen nach dem Zeitpunkt der Messung: bis 8+6 mehr als 5 Tage, von 9+0 bis 13+6 mehr als 7 Tage, danach größere Abweichungen (Committee Opinion 700, 2017). Ein korrigierter Termin ist Grundlage für alle weiteren Fristen, auch für den Mutterschutz. Spätere Messungen führen in der Regel nicht zu einer erneuten Korrektur.
Häufige Fragen zum Geburtstermin
Fazit
Die Naegele-Regel liefert einen guten ersten Termin, der Ultraschall in der Frühschwangerschaft macht ihn verlässlicher. Rechnen Sie trotzdem nicht mit einem bestimmten Tag: Nur jedes zwanzigste Kind kommt genau am errechneten Termin.