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Mateusz Viola

Von Mateusz Viola  ·  Betreiber & redaktionelle Verantwortung

Aktualisiert: Mai 2026

SSW

Schwangerschaftswoche berechnen: So funktioniert die SSW-Zählung

8 Min. Lesezeit · Mai 2026

Warum wird die SSW ab der letzten Periode gezählt?

Die Schwangerschaftswoche (SSW) beginnt nicht mit der Befruchtung, sondern mit dem ersten Tag der letzten Menstruation. Das klingt zunächst paradox schließlich ist man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht schwanger. Der Grund liegt in der medizinischen Praxis: Da der genaue Zeitpunkt der Befruchtung in den meisten Fällen nicht bekannt ist, einigten sich Ärzte auf den letzten Periodenbeginn als gemeinsamen Referenzpunkt. Dieser ist für die meisten Frauen leicht nachvollziehbar und gut dokumentiert.

Die Befruchtung findet typischerweise in SSW 2 bis 3 statt, die Einnistung in SSW 3 bis 4. Damit liegt zwischen dem offiziellen Schwangerschaftsbeginn und der tatsächlichen Befruchtung ein Abstand von etwa zwei Wochen. Das klingt nach einem großen Fehler, ist jedoch bewusst so gewählt: Alle klinischen Normdaten, Grenzwerte und Entwicklungsmeilensteine des Kindes beziehen sich auf diesen einheitlichen Ausgangspunkt. So können Ärzte weltweit vergleichbar kommunizieren unabhängig davon, ob der genaue Befruchtungszeitpunkt bekannt ist oder nicht.

5 Berechnungsmethoden im Vergleich

Je nach Ihrer persönlichen Situation gibt es unterschiedlich genaue Wege, die aktuelle Schwangerschaftswoche zu berechnen. Die Standardmethode über den ersten Tag der letzten Periode funktioniert für die meisten Frauen gut sie setzt jedoch einen regelmäßigen Zyklus von etwa 28 Tagen voraus. Bei bekanntem Eisprungdatum oder nach einer IVF-Behandlung stehen präzisere Methoden zur Verfügung.

Methode Wann geeignet Genauigkeit Benötigt
Nach letzter Periode (LMP) Standardfall, Zyklus ca. 28 Tage ± 7–14 Tage Datum LMP
Nach Eisprung Bekanntes Ovulationsdatum ± 3–7 Tage Datum Eisprung
Nach Befruchtung Gezielte Zeugung, PID ± 1–3 Tage Datum Befruchtung
Nach IVF-Transfer Künstliche Befruchtung ± 1–2 Tage Transfer-Datum + Embryo-Alter
Nach Geburtstermin Ultraschall-ET bekannt Sehr hoch Errechneter ET

Tipp: Mehrere Methoden kombinieren

Wenn Sie sowohl das Datum der letzten Periode als auch das Ovulationsdatum kennen, vergleichen Sie beide Berechnungen. Weichen die Ergebnisse um mehr als 7 Tage ab, deutet das auf einen unregelmäßigen Zyklus hin in diesem Fall ist der Ultraschall im ersten Trimester die zuverlässigste Methode zur Terminbestimmung.

Was bedeutet SSW 12+3?

Die medizinische Schreibweise für Schwangerschaftswochen folgt einem einheitlichen Format: Die Zahl vor dem Pluszeichen gibt die vollständig abgeschlossenen Wochen an, die Zahl danach die bereits vergangenen Tage der laufenden Woche. SSW 12+3 bedeutet also: 12 vollendete Wochen und 3 zusätzliche Tage in Summe 87 Tage seit dem ersten Tag der letzten Periode.

Dieses Format ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz Standard und wird in allen Mutterpasseinträgen sowie Ultraschallbefunden verwendet. Es ermöglicht eine sehr präzise Kommunikation zwischen verschiedenen Ärzten und Kliniken. Wenn Ihr Arzt sagt, Sie befinden sich in SSW 12+3, sind Sie am 88. Tag der Schwangerschaft (da die Zählung bei Tag 0 beginnt). Die Notation SSW 12+0 markiert exakt den Beginn der 13. Schwangerschaftswoche.

SSW-Notation verstehen

Schreibweise Bedeutung Beispiel
SSW 12+3 12 vollendete Wochen + 3 Tage 87 Tage seit LMP
SSW 20+0 Beginn der 21. Woche 140 Tage seit LMP
SSW 40+0 Errechneter Geburtstermin 280 Tage seit LMP
SSW 42+0 Übertragung 294 Tage seit LMP

Zykluslänge und SSW-Korrektur

Die Naegele-Regel und alle darauf aufbauenden SSW-Berechnungen gehen von einem Standardzyklus von 28 Tagen aus. Wenn Ihr Zyklus kürzer oder länger ist, verschiebt sich der Eisprung entsprechend und damit auch der tatsächliche Beginn der Schwangerschaft. Bei einem 35-Tage-Zyklus findet der Eisprung typischerweise erst am 21. Tag statt, also 7 Tage später als beim 28-Tage-Zyklus. Entsprechend muss der errechnete Termin um 7 Tage nach hinten verschoben werden.

Diese Anpassung klingt technisch, hat aber echte Konsequenzen: Frauen mit längeren Zyklen wurden früher systematisch als „zu groß für die SSW" eingestuft einfach weil Ärzte den Zyklus nicht berücksichtigten. Das führte unnötigerweise zu Einleitungen. Heute ist die Zykluskorrektur bei gutem gynäkologischen Standard selbstverständlich. Umgekehrt können Frauen mit kurzen Zyklen als „zu klein" gelten, obwohl das Kind sich völlig altersgerecht entwickelt. Ein guter Gynäkologe fragt daher immer nach der üblichen Zykluslänge, bevor er den Geburtstermin festlegt.

Zykluslänge Abweichung von 28 Tagen Auswirkung auf ET
21 Tage −7 Tage ET 7 Tage früher
25 Tage −3 Tage ET 3 Tage früher
28 Tage Standard Keine Anpassung
32 Tage +4 Tage ET 4 Tage später
35 Tage +7 Tage ET 7 Tage später

Wichtig: Zyklus im Rechner angeben

Unser Schwangerschaftsrechner berücksichtigt die Zykluslänge automatisch bei der SSW-Berechnung. Wenn Sie Ihre übliche Zykluslänge eingeben, wird der Eisprungzeitpunkt entsprechend korrigiert so erhalten Sie einen deutlich genaueren Wert als bei einem Standard-Rechner ohne Zykluskorrektur.

Jetzt Ihre aktuelle SSW berechnen:

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SSW und Embryonalwoche: Was ist der Unterschied?

In der Schwangerschaftsmedizin begegnen Ihnen verschiedene Begriffe, die auf den ersten Blick austauschbar wirken, aber unterschiedliche Zählweisen meinen. Die Schwangerschaftswoche (SSW) wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz einheitlich ab dem ersten Tag der letzten Menstruation gezählt dieser Ausgangspunkt heißt in der Fachsprache LMP (Last Menstrual Period). Damit liegen die ersten zwei Wochen der SSW-Zählung noch vor der eigentlichen Befruchtung. Die Embryonalwoche dagegen beginnt erst mit dem Zeitpunkt der Befruchtung selbst und ist daher um etwa zwei Wochen kürzer als die SSW-Zählung. In englischsprachiger Literatur und manchen Ultraschallberichten wird gelegentlich die Bezeichnung „weeks of gestation" verwendet, die der deutschen SSW entspricht. In der Praxis kann es zu Verwirrung kommen, wenn verschiedene Ärzte oder Apps unterschiedliche Systeme verwenden. Entscheidend ist daher immer zu fragen: Ist der angegebene Wert in SSW (ab LMP) oder in Embryonalwochen (ab Befruchtung) angegeben? Die Fetalwoche schließlich ist eine weniger verbreitete Bezeichnung für die Phase ab SSW 10, wenn aus dem Embryo ein Fötus wird. Für alle praktischen Zwecke Vorsorgeuntersuchungen, Mutterschutzfristen, Geburtsplanung gilt in Deutschland ausschließlich die SSW-Zählung ab LMP.

Bezeichnung Ab wann Verwendet von Abweichung zur SSW
Schwangerschaftswoche (SSW) Ab 1. Tag der letzten Periode (LMP) Ärzte, Mutterpass, Kliniken in DACH Referenzwert (0 Tage)
Embryonalwoche Ab Befruchtung (ca. Tag 14 des Zyklus) Embryologie, Fachbücher, US-Literatur −2 Wochen gegenüber SSW
Fetalwoche Ab SSW 10 (Übergang Embryo zu Fötus) Selten; spezifische Fachpublikationen Beginnt bei SSW 10+0

SSW-Tabelle: Was passiert wann?

Die folgende Tabelle gibt einen kompakten Überblick über die wichtigsten Entwicklungsschritte und medizinischen Meilensteine in der Schwangerschaft von der Einnistung bis zur Übertragung.

SSW Entwicklungsstand Wichtiger Hinweis
SSW 4 Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut Schwangerschaftstest ab jetzt positiv; leichte Schmierblutung möglich
SSW 6 Herzschlag des Embryos beginnt; Herzfrequenz ca. 100–120 Schläge/min Per vaginalem Ultraschall sichtbar; Übelkeit häufig ab dieser Woche
SSW 8 Alle wesentlichen Organanlagen vorhanden; Embryo wird zum Fötus Kritische Phase für Fehlbildungen abgeschlossen; Arzttermin empfohlen
SSW 12 Ende des 1. Trimesters; alle Finger und Zehen ausgebildet Fehlgeburtsrisiko sinkt deutlich; Ersttrimester-Screening möglich
SSW 14 Äußere Geschlechtsmerkmale beginnen sich zu differenzieren Geschlecht per Ultraschall oft erkennbar, aber noch nicht sicher
SSW 20 Halbzeit; Mutter spürt erste Kindsbewegungen (Erstgebärende etwas später) Großer Ultraschall (Organscreening) wichtigste Untersuchung der Schwangerschaft
SSW 24 Grenze der Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibs erreicht Intensivmedizinische Betreuung bei Frühgeburt ab jetzt möglich
SSW 28 Beginn des 3. Trimesters; Gehirnentwicklung schreitet rasch voran Mutterpass stets mitnehmen; Glukosetest bis spätestens jetzt
SSW 34 Lungenreife nimmt zu; Kind nimmt kräftig an Gewicht zu Mutterschutz beginnt 6 Wochen vor ET in der Regel ab dieser Woche
SSW 37 Reife Frühgeburt: Geburt gilt medizinisch nicht mehr als Frühgeburt Klinikkoffer packen; B-Streptokokken-Test bis SSW 37 empfohlen
SSW 40 Errechneter Geburtstermin (ET); vollreife Schwangerschaft Nur ca. 5 % der Babys kommen exakt am ET eine Woche +/− ist normal
SSW 42 Übertragung: Plazentafunktion lässt nach; ärztliche Überwachung intensiv Einleitung oder Kaiserschnitt wird spätestens ab SSW 42+0 erwogen

Häufige Fragen zur SSW-Berechnung

+ Kann meine SSW-Angabe vom Ultraschall abweichen?

Ja, das ist häufig und normal. Die SSW-Berechnung nach der letzten Periode geht von einem 28-Tage-Zyklus mit Eisprung am 14. Tag aus. Wenn Ihr Zyklus kürzer, länger oder unregelmäßig ist, weicht der berechnete Wert vom Ultraschallbefund ab. Beim ersten Ultraschall misst der Arzt die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos und ermittelt daraus ein biometrisches Alter, das sehr präzise ist oft genauer als die Berechnung nach der Periode. Stimmen beide Werte um mehr als 5–7 Tage nicht überein, passt der Arzt den Geburtstermin anhand des Ultraschalls an. Das ist medizinisch korrekt und kein Anlass zur Sorge. Bei späteren Ultraschällen ist eine solche Korrektur weniger präzise, weshalb der Termin idealerweise im ersten Trimester festgelegt wird.

+ Zählt die aktuelle Woche mit oder beginnt eine neue Woche erst, wenn sie abgeschlossen ist?

In der deutschen Medizin sprechen Ärzte von „vollendeten Wochen". Das bedeutet: SSW 12 beginnt erst dann, wenn 11 vollständige Wochen abgeschlossen sind also ab Tag 77. Die laufende Woche wird mit der Plus-Notation angegeben: SSW 11+4 heißt, Sie befinden sich in der 12. Woche, haben aber erst 4 Tage davon hinter sich. Im Alltag sagen viele Frauen einfach „ich bin in der 12. Woche" und meinen damit SSW 11+x. Wenn Ihr Arzt Ihnen sagt, Sie seien in SSW 12, meint er genau genommen SSW 12+0 bis 12+6. Wichtig ist diese Unterscheidung besonders rund um medizinische Grenzwerte etwa SSW 24 (Lebensfähigkeit) oder SSW 37 (reife Frühgeburt) wo jeder einzelne Tag zählen kann.

+ Was ist, wenn ich das Datum meiner letzten Periode nicht mehr genau weiß?

Das ist kein Problem. Wenn das genaue Datum der letzten Periode nicht bekannt ist, hilft ein früher Ultraschall weiter. Die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) des Embryos erlaubt in SSW 8–12 eine sehr genaue Altersbestimmung die Abweichung beträgt in der Regel nur wenige Tage. Alternativ können Sie das Datum rückwärts schätzen: Überlegen Sie, wann Sie zuletzt Ihre Periode hatten, und orientieren Sie sich an typischen Symptomen wie Übelkeit oder Brustspannen, die meist ab SSW 5–6 auftreten. Viele Schwangere erinnern sich auch an den ungefähren Zeitpunkt der Empfängnis, was eine grobe Orientierung bietet. In jedem Fall gilt: Der Arzt bestimmt den offiziellen Geburtstermin beim ersten Ultraschall die eigene Berechnung ist ein guter Ausgangspunkt, aber nicht das letzte Wort.

+ Wie genau ist ein Online-SSW-Rechner im Vergleich zum Arzt?

Ein guter Online-Rechner liefert auf Basis der eingegebenen Daten eine mathematisch korrekte Berechnung nach der Naegele-Regel inklusive Zykluskorrektur, wenn Sie Ihre individuelle Zykluslänge angeben. Die Genauigkeit hängt dabei direkt von der Qualität Ihrer Eingaben ab. Wenn Sie das Datum der letzten Periode genau kennen und einen regelmäßigen Zyklus haben, liegt die Berechnung in der Regel nur wenige Tage daneben. Der entscheidende Unterschied zum Arzt: Ein Rechner kann keine biometrische Messung vornehmen. Der Arzt bestimmt beim Ultraschall die tatsächliche Größe des Kindes und leitet daraus ein präzises Schwangerschaftsalter ab. Online-Rechner eignen sich hervorragend zur ersten Orientierung und als Vorbereitung auf den ersten Arzttermin die medizinische Bestätigung durch den Ultraschall bleibt unverzichtbar.

Quellen & Grundlagen

Weitere Ratgeber

Geburtstermin berechnen → Naegele-Regel → Trimester → Vorsorgeuntersuchungen →